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Noble Verbeugung vor Mozart

Symphonisches Feuerwehr-Blasorchester und Musikzug aus Ennest begeisterten

(von Matthias Gans, Neue Westfälische, 16-11-00)

 

Gütersloh.  Die Vorrangstellung unter vergleichbaren Ensembles im Kreis Gütersloh hat das Symphonische Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh-Zentral unter der Leitung von Thomas Boger nicht nur sicher gehalten. Das große Jahreskonzert in der zu zwei Drittel besetzten Stadthalle machte deutlich, wie glänzend der ehemalige Feuerwehrmusikzug seinem neuen Namen gerecht wird.

 

Der 30-jährige Dirigent hat, sicherlich nicht ohne Schweiß und Tränen, in der zweijährigen Wirkungszeit ein Ensemble geformt, das weder anspruchsvolles Repertoire noch starke Konkurrenz zu fürchten hat. Denn diese hatte man sich mit dem befreundeten Feuerwehrmusikzug aus Ennest wahrlich eingeladen.

 

Zusammen mit dem zwei Jahre jüngeren Pultkollegen Ingo Samp klpfte Thomas Boger das sicherlich recht hochgegriffene Motto "Faszination Blasmusik" auf seinen Wahrheitsgehalt ab. Der stürmische Applaus am Ende des zweieinhalbstündigen Abends sollte beiden Orchestern und ihren Dirigenten Recht geben. Nicht nur die moderne Musik für Blasmusik hatten sich die Orchester vorgenommen. Nein, auch die hehre klassische Musik wurde an diesem Abend nicht ausgelassen. Und das ohne substanziellen Verlust bei der Übertragung auf die streicherlose Bläserfassung.

 

Der noble Posaunenklang des Symphonischen Blasorchesters eröffnete den Abend mit Mozarts Ouvertüre zur "Zauberflöte", filigran spielend übernahmen die Klarinetten die exponierten Streicherstimmen und ließen den seidugen Violinenklang kaum missen. Gustav Holsts ertse Suite in Es war ohnehin ein Stück für Blasorchester und konnte schon deshalb ohne klanglichen Einbußen, dafür aber mit grandios sattelsicheren Blech- und Schlagzeugeinsätzen aufwarten.

 

Da wollten die Kollegen aus Ennest bei Attendorn unter der Leitung ihres Chefs Ingo Samp nicht nachstehen. Das Orchester, das nicht nur einen 6. Platz beim Bundesorchesterwettbewerbs gewonnen, sondern auch noch den merk. und denkwürdigen Sonderpreis "Sympathischstes Blasorchester des Orchesterwettbewerbs" zugesprochen bekommen hat, konnte sich in Dvoraks Finalsatz aus der "Sinfonie aus der Neuen Welt" nicht nur von blechbewährter Seite zeigen, sondern auch eine ungewöhnliche Reife des Zusammenspiels und formalen Denkens offenbaren. Dass ihnen böhmisches Musikanten-Naturell nicht fremd ist bewies der Springtanz aus Smetanas "Verkaufter Braut", und selbst die Reihung unregelmäßiger Taktarten in Zbysek Bittmars "Bulgarischen Tanz" brachte das 45-köpfige Ensemble nicht aus dem Tritt.

 

Einzeln unschlagbar, als Team sensationell: So präsentierten sich die vereinigten Orchester nach der Pause, in Alfred Bösendorfers hinreißend schmissiger "Kleinen ungarischen Rhapsodie" noch ergänszt um das Gütersloher Jugendorchester, das mit einer Art mittelalterlicher Tanz-Suite des niederländischen Tonsetzers Kees Vlak nicht unerhebliches Eigengewicht in Konzert brachte. Kanonenfutter für die Ohren war schließlich die orchestrale Allgewalt in Jan Van der Roosts "Ceremonial March", der hörbar den Widmungsträger Edward Elgar in Melodiebildung und Harmonik erkennen ließ.

 

Geradezu impressionistische Zwischentöne wurden in Johan de Meijs Suite "Aquarium" hörbar, bevor mit der Filmmusik zu "Star Wars" John Williams Werk erstmals in Gütersloh seine adäquate Umsetzung gefunden hat. Realistischer kann man diesen "Sternenkrieg"-Sound auch im Dolby-Surround-Kino nicht serviert bekommen. Als ob sich die Orchester von vornherein des Aussagewerts der Puccini-Arie vergewissern wollten, die Zugabe: "Nessum Dorma", "Keiner schlafe". Die Prinzessin hieß übrigens "Turandot".

 



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