Freie Waldorfschule führte Dürrenmatts Stück "Frank V." auf
(Neue Westfälische, 16-12-02)
Gütersloh. Was ist ein Banküberfall angesichts der Gründung einer Bank? Diese berühmte Frage könnte auch über Friedrich Dürrenmatts Stück "Frank V." stehen. Die zwölfte Klasse der Freien Waldorfschule führte die weithin unbekannte "Oper einer Privatbank" jetzt an vier Abenden auf. Regisseur Vladimir Egorov hatte die Komödie spielbar gemacht.
Das ist gar nicht so einfach bei diesem seit 1959 als mehr oder wenige unspielbar geltenden Werk. Dürrenmatt hatte womöglich so etwas wie die "Dreigroschenoper" vorgeschwebt. Dazu fehlt "Frank V." einiges. Doch gelang es Egorov und den Schülern, das Stück anschaulich und kurzweilig darzubieten und mit selbst entwickelter Musik, mit Tanzeinlagen, Rap-Gesang und ruhigen Saxofonklängen die nicht immer stringente Handlungsfolge musikalisch eingängig zu begleiten.
Frank der Fünfte (Philipp Maas) muss keine Bank mehr gründen. Er will seine in fünfter Generation, aber von ihm inzwischen unrentabel geführte "Gangsterbank" möglichst schmutzig abwickeln. Mit dem unseriös erlangten Geld der Kunden wollen er und Gattin Otilie (Esther Paulick) sich ins Privatleben zurückziehen. Die Schulden trägt der Staat. Der ist bei Dürrenmatt selbst ein Gangsterstaat.
Von ein paar Randfiguren abgesehen findet sich im Stück kein Guter. Personalchef Egli (Julian Rögge), Prokurist Böckmann (Björn Horstmeyer), die Mitarbeite am Schalter (Malte Gilberg, Julia Kehmann, Arne Sonnabend) wie Neuzugang Päuli (Antonia Roy/Nina Schubert) machen mit. Eglis Dauerflamme Frieda Fürst (Ann-Christin Poprawa) setzt die Waffen einer Frau für die Spitzbubenbank ein.
Statt das dennoch angeschlagene Geldinstitut zu liquidieren, finden es Frank des Fünften Kinder Herbert und Franziska (Arne Paulick, Mereike Keuper) indes an der Zeit, den Laden zu übernehmen, straffer un, vorübergehend, mit "brutaler Ehrlichkeit" zu führen. Denn Gewinn muss die Bank abwerfen, und sei es legal.
Einen Gewinn für's kräftig applaudierende Publikum - und natürlich für sich - zogen jedenfalls die Schülerinnen und Schüler aus dem Stück. Neben den Genannten wirkten mit: Duro Margaretic, Kathrin Dirkwinkel, Kim Kochtokrax, Thomas Wiesbrock, Camilla Neuhaus, Jonas Becker, Hanna Sjongers, Sabrina Henkenjohann, Florian Thülig (Schlagzeug), Benedikt Hensdiek (Sacofon, Keyboard), Anna Treptow (Beleuchtung).